„Wiederaufbau ist ein sehr langwieriger Prozess“

Am kommenden Freitag und Samstag findet das KrisenPRCamp in Köln statt. Die Veranstaltung zum Balanceakt von transparenter und glaubwürdiger Krisenkommunikation wird rund 120 Teilnehmer in die Rheinmetropole locken. Unternehmen, Organisationen und Institutionen müssen sich gegenüber einer kommunikationsstarken Öffentlichkeit behaupten. Insbesondere im Krisenfall müssen die betroffenen Akteure, ihre Dienstleister und Berater sich intensiv mit der richtigen Kommunikation beschäftigen.

Im Vorfeld der Veranstaltung haben wir mit ausgewählten Teilnehmern und Teilnehmerinnen über ihre Einschätzungen rund um Krisenkommunikation und Kommunikation in der Krise gesprochen. Die Antworten unserer Gesprächspartner veröffentlichen wir hier im KrisenPRCamp-Blog. Den Anfang unserer Interviewreihe macht Martina Seidel, Abteilungsleiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei den Barmenia Versicherungen.

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Wie wichtig ist heute Krisenkommunikation für Organisationen? Wie hat sich diese Situation durch den digitalen Dialog auf Augenhöhe entwickelt?

Martina Seidel: In Krisen büßen Organisationen oft ihren über Jahre aufgebauten Ruf binnen kürzester Zeit ein. Ein Wiederaufbau ist ein sehr langwieriger Prozess. Aus diesem Grund gewinnt strategische und eine in der gesamten Organisation integrierte Krisenkommunikation zunehmend an Bedeutung. Die Allgegenwärtigkeit sozialer Medien und die Entwicklung des digitalen Dialogs verstärken die Notwendigkeit Kommunikation als Steuerungsinstrument einzusetzen, um potenziellen Gefahren rechtzeitig entgegenwirken zu können.

Kurzlebiger Shitstorm oder langfristige Reputationskrise – wie kann man ein beschädigtes Markenimage wieder aus dem Sumpf ziehen? Wodurch wird eine Krise verschlimmert?

Martina Seidel: Egal, ob Shitstorm oder langfristige Reputationskrise, Fehlverhalten kann ein bestehendes Markenimage gefährden. Führt eine Krise zu einer Beschädigung des Markenimages, ist es wichtig, die Situation schnell zu analysieren, aufzuklären, um so das bestehende Vertrauen in die Organisation zu sichern und zu erhalten. Unterlässt oder verzögert die Organisation die Kontaktaufnahme mit ihren Umfeld und die Aufklärung der Krise, kann das zu einer Verschlimmerung der Situation führen und das Markenimage nachhaltig schädigen.

Können sich Kommunikatoren heutzutage noch auf einen Krisenfall vorbereiten? Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?

Martina Seidel: Kommunikatoren können sich heute – insbesondere durch technischen Fortschritt und den daraus resultierenden Möglichkeiten – auf einen Krisenfall vorbereiten. Voraussetzungen dafür sind eine genaue Analyse, ein laufendes Monitoring und das Wissen, was im eigenen Haus passiert. Um im Fall der Fälle ohne Zeitverzögerung handeln zu können, sollte jeder seine Aufgaben kennen. Das lässt sich im Vorfeld anhand unterschiedlicher Szenarien simulieren. Ein Handbuch, das Informationen zur Organisation beinhaltet und die verantwortlichen Personen benennt, runden die Arbeitsschritte für den Krisenfall ab.

Welchen Stellenwert haben nachhaltige Kommunikationsansätze in diesem Kontext? Welche Rolle spielen dabei Journalisten, Medien und digitale Influencer?

Martina Seidel: Nachhaltige Kommunikationsansätze im Sinne von strategischen Kommunikationsansätzen haben einen hohen Stellenwert. Strategische
Kommunikationsansätze folgen der Unternehmensstrategie. Strategische Kommunikation nimmt interne und externe Einflüsse auf, ist ein lebendiger Prozess in einem sich verändernden Umfeld, reflektiert und ist zielorientiert. Journalisten, Medien und digitale Influencer nehmen dabei die Rolle von Mediatoren, Multiplikatoren und Verstärkern ein. Es ist wichtig stets einen partnerschaftlichen Umgang zu pflegen und einen transparenten Informationsfluss sicherzustellen.

Welche Erwartungen haben Sie als Besucherin an das KrisenPRCamp?

Martina Seidel: Organisationen sind so unterschiedlich, der Krisen auslösende Moment oder Indikator anders, dennoch verfolgen in der Krise alle das gleiche Ziel – den Erhalt des Vertrauens in die Organisation. Mich interessiert besonders der Austausch mit Kollegen anderer Branchen – Erfahrungen mit Krisen, Anwendung und Ablauf von Krisenkommunikation und Kommunikation in der Krise. Ich bin sehr gespannt und neugierig auf die Veranstaltung.

Frau Seidel, herzlichen Dank für unser Gespräch.

Jetzt das zweite Interview lesen: “Grundlage für eine gelungene Kommunikation in der Krise ist eine gute Risikokommunikation” mit Ursula Fuchs, Pressesprecherin beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

3 Gedanken zu „„Wiederaufbau ist ein sehr langwieriger Prozess“

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